Der Meyerlori, Trichoglossus flavoviridis meyeri,  eine zweifelhafte Unterart
Von Jos. Hubers, Niederlande
Einleitung
Inzwischen ist es viele Jahre her, seitdem wir über den Meyerlori berichtet haben. Es handelt sich dabei um eine Loriart, die meines Erachtens ein zu geringes Ansehen bei den Loriliebhabern genießt. Ich kann mich noch gut daran erinnern, daß der Meyerlori (wie auch der Gelbkopflori, Trichoglossus euteles) kaum an Loriliebhaber zu verkaufen war, und wenn, dann nur zu einem sehr niedrigen Preis. Angesichts dieses geringen Interesses an der Loriart, ging die Anzahl der Vögel in Liebhaberhand stark zurück. Heutzutage ist das Interesse an dieser Loriart gestiegen, aber nicht weil die Vögel zu einem günstigen Preis zu erwerben sind, sondern weil diese Loriart als attraktiv gefärbt und von angenehmen Wesen gilt.
Taxonomie
Der Meyerlori wird als Unterart des Gelbgrünen Loris, Trichoglossus flavoviridis, angesehen. Der Gelbgrüne Lori, T. f. flavoviridis,  ist die Nominatform. Seitdem ich diese beiden Unterarten halte (seit 1991) habe ich starke Zweifel an der Rechtmäßigkeit dieser Theorie. Als Laie auf dem Gebiet der Taxonomie kann ich jedoch die äußeren Unterschiede beurteilen. Hierbei fällt auf, daß sowohl das Verhalten als auch die Größe erheblich voneinander abweichen. Der Meyerlori wiegt zwischen 40 und 50 Gramm, der Gelbgrüne Lori bringt es auf immerhin 80 bis 90 Gramm. Der größte Unterschied ist ihr Verhalten. Der Meyerlori ist stimmenmäßig erheblich leiser und vor allen Dingen weniger aggressiv. Der Gelbgrüne Lori kann sehr aggressiv reagieren bei neuen Situationen. Die Gelbgrünen Loris können sich auch sehr aggressiv gegen den eigenen Jungvögeln verhalten. Neulich habe ich die Käfigeinstreu bei einem Paar Gelbgrüner Loris ausgewechselt, die gerade zwei Jungvögel hatten. Obwohl ich solange anwesend war, bis sie sich wieder beruhigt hatten, wurde ein Jungvögel getötet, der andere verletzt. Glücklicherweise konnte ich diesen Jungvogel noch retten. Dieses aggressive Verhalten konnte ich bei meinen Meyerloris nicht feststellen. Eine Loriart, die meines Erachtens dem Meyerlori verwandtschaftlich sehr nahe steht, ist der Mount-Apo Lori, Trichoglossus johnstoniae,. Diese beiden Arten gleichen sich sehr, sowohl vom Verhalten als auch von der Größe (der Mount-Apo Lori ist nur wenig größer) aber auch von der Gefiederfärbung. Wenn man nur die Körper, ohne den Kopf, dieser beiden Arten betrachtet, gibt es erstaunlich viele Ähnlichkeiten.
Vor Jahren haben die beiden Wissenschaftler Sibley und Ahlquist anhand von D.N.A. Analysen den Verwandtschaftsgrad von bestimmten Vogelarten untersucht. Die Ergebnisse aus diesen Untersuchungen haben dazu geführt, daß bestimmte Vogelarten neu zugeordnet werden mußten. Es wäre sicherlich interessant, wenn eine solche Untersuchung auch für die Loris durchgeführt werden würde. Ob sich auch entsprechende Verschiebungen hinsichtlich des Verwandtschaftsgrades ergeben würden?
Beschreibung
Größe:  ca. 17 bis 18 cm; Gewicht: 40 - 50 Gramm, Männchen sind meistens schwerer
Das Gefieder ist überwiegend grün. Hals, Brust und Bauch sind gelb, jede Feder mit grüner Säumung, so ergibt sich ein Schuppeneffekt. Stirn und Scheitel sind olivgelb, wobei das Männchen mehr Gelbanteile bei den Stirn- und Scheitelfedern aufweist.
Die Ohrdecken sind gelb (bei den Männchen häufig intensiver und größer); Wangen und Kehle sind feiner "geschuppt", olivgrün auf gelbem Untergrund. Die Schnabelfärbung ist orange; die Iris ist orangerot.
Wie bereits den obigen Ausführungen zu entnehmen ist gibt es einige Farbunterschiede bei ausgewachsenen Meyerloris. Bei Jungvögeln ist die Unterscheidung etwas schwieriger. Junge Männchen sind auf den Kopf und an der Stirn gelber gefärbt; junge Weibchen haben meistens eine gelbliche Stirn und sind auf dem Scheitel grünlicher gefärbt. Nach der Mauser verschwinden diese charakteristischen Merkmale wieder.
Allgemein verfügen Jungvögel über eine nicht so intensive Schuppenfärbung und die Farben sind weniger intensiv. Wie bei allen Loriarten mir orangen oder orangeroten Schnabel haben junge Meyerlori kurz nach dem Ausfliegen einen bräunlich gefärbten Schabel, der dann schnell die Farbe der Altvögel annimmt.
Rosemary Low schreibt, daß es möglich ist, daß die erkennbaren Unterschiede zwischen männlichen und weiblichen Vögeln möglicherweise variieren und davon abhängen aus welcher Population sie in ihrer ursprünglichen Heimat entstammen. Sie kennt Vögel aus ihrem Herkunftsgebiet, die deutliche farbmäßige Geschlechtsunterschiede aufweisen; bei anderen Vögeln ist dies weniger deutlich zu sehen. Wenn dies so sein sollte, kann man davon ausgehen, daß Vögel verschiedener Population in Menschenobhut miteinander vermischt worden sind, so daß man häufig Vögel finden wird, wo die Unterschiede nicht deutlich zu erkennen sind.
Verbreitung und Status
Der Meyerlori ist auf Sulawesi (Celebes) beheimatet, wo er in Bergwäldern zwischen 500 und 2000 m Höhe vorkommt. Wahrscheinlich kommen sie bzw. kamen sie auch in den Mangrovenwäldern an der Küste vor. Mivart (1896) schreibt, daß die Einheimischen diesen Lori "Parkitji loralo" nennen, wobei "loralo" sich auf die Mangrovenwälder bezieht. Der Meyerlori wird häufig in Gesellschaft des Schmuckloris, Trichoglossus ornatus, beobachtet, wobei der Schmucklori höher gelegene Waldgebiete, über 1000 m Höhe meidet. Wegen der Gefiederfärbung bei den Arten können sie im Freiland leicht übersehen werden. Glücklicherweise kommt der Meyerlori noch häufig vor, und es sieht derzeit auch so aus, daß ein Bestandsrückgang nicht befürchtet werden muß.
Der Status in der Vogelhaltung ist dagegen nicht unbedingt positiv. Es scheint so, daß die Anzahl der Vögel vor allen Dingen in den letzten fünf Jahren zurückgegangen ist.
Praktische Haltungserfahrungen
Meyerloris sind ähnlich wie die häufiger gehaltenen Veilchenloris gut zu halten und zu züchten. Es handelt sich um eine Loriart, die auch für Halter geeignet ist, die nicht die Möglichkeit haben, Vögel in Volieren zu halten. Auch in geräumigen Käfigen züchten Meyerloris. Auch Gruppenhaltung kann praktiziert werden. Dies hat ein deutscher Lorizüchter bewiesen, der 20 Meyerloris zusammen mit 6 Allfarbloris (Trichoglossus haematodus capistratus) ein einer Voliere von 4 x 6 m gehalten hat. Es wurden für die Meyerloris viele Nistkästen angebracht, durch deren kleines Einflugloch die Allfarbloris nicht in den Nistkasten gelangen konnten. Durch eine Vielzahl von Naturzweigen bestanden viele Klettermöglichkeiten. Der Züchter hatte außerdem noch drei Paare Meyerloris getrennt in Zuchtkäfigen untergebracht. Die Nistkästen hatten vertikales Format mit ca. 35 cm Höhe. Innerhalb des Nistkastens waren kleine horizontale Leisten angebracht, die gewährleisteten, daß die Vögel anständig in und aus dem Nistkasten kommen konnten. In einige Nistkästen war vertikal vom Einflugloch zum Boden des Nistkastens eine Leiste angebracht, so daß die Vögel die Eier nicht beschädigen konnten, wenn sie in den Brutblock das Gelege bebrüten wollten.
In den hiesigen Breiten sind Meyerloris mit ungefähr einem Jahr brutreif. Es ist durchaus auch vorstellbar, daß in wärmeren Gebieten die Vögel eher zum Brutgeschäft schreiten.
Das erste Paar Meyerloris erhielt ich 1989. Es waren ca. 4 Monate alte Vögel. Nach der Umfärbung ins Adultgefieder, konnte das Brutgeschäft beginnen. 1991 tätigten meine Meyerloris ihr erstes Gelege, das jedoch unbefruchtet war. Danach wurden weitere unbefruchtete Gelege produziert, worauf ich beschloß, sie als Pflegeeltern einzusetzen. Zur Zeit besaß ich ein Paar Veilchenloris, die ihre Jungvögel stets sehr rupften. Bei einem Gelege, der Moment erschien mir geeignet, hatten die Veilchenloris erneut ein befruchtetes Gelege. Nachdem dieses Gelege 19 Tage von den Veilchenloris bebrütetet worden war, legten die Meyerloris das erste Ei ihres Geleges. Nach 22 Tagen, die Meyerloris hatten gerade das zweite Ei gelegt, wagte ich es die Gelege auszutauschen. Am 24. Tag hatten die Meyerloris ihren ersten Jungvogel zu füttern. Nachdem die Meyerloris nur fünf Tage gebrütet hatten, gaben sie ihr Bestes. Beide Veilchenloris wurden problemlos durch die Meyerloris großgezogen. Zu einem späteren Zeitpunkt haben die Meyerloris doch noch eigene Jungvögel großgezogen.
Die Nistkästen für die Meyerloris, wie auch für Fledermauspapageien und kleinere Loriarten, die ich gebrauche, haben horizontales Format und sind 25 cm lang, 17 cm hoch und 17 cm tief mit einem Schlupflochdurchmesser von 5 cm. Dieses Einflugloch ist möglichst hoch und am Rand des Nistkastens angebracht. In dem Boden, der 2 cm dick ist, habe ich eine kleinere Mulde gemacht, weil einige Vögel die Eigenschaft haben, sämtlichen Bodenbelag aus dem Nistkasten zu entfernen. Außerdem kann man aber auch L-förmige Nistkästen oder andere Nistkastenformate gebrauchen.
Die Brutzeit beträgt 23 - 24 Tage. Beim Schlupf wiegen die Jungvögel ungefähr 4 Gramm. Sie sind mit Primärdunen bedeckt, die lang und von weißer Farbe sind. Nach drei Wochen wechseln sie in ein graues Daunenkleid und die ersten Federn brechen auf. Die Vögel werden mit 5,0 mm Ringen beringt und zwar zu einem Zeitpunkt, wo die Jungen die Augen öffnen, nach ungefähr zwei Wochen. Es ist wichtig, die Jungvögel zu beringen; in einigen Ländern ist dies gesetzlich vorgeschrieben. Dies ist aber auch für die Zuchtpraxis wichtig. Blutlinien und Geburtsjahr des Vogels sind so besser nachzuvollziehen.
In verschiedenen europäischen Ländern wird dies so praktiziert. In Deutschland beispielsweise ist es kaum möglich, unberingte Vögel zu verkaufen oder man muß schon Original Einfuhrpapiere haben. Die Gesetzgebung hat eine Anmeldepflicht eingeführt.
Nach ungefähr 8 Wochen fliegen die Jungvögel aus und werden danach noch zwei Wochen von den Eltern weiter gefüttert, obwohl sie nach einigen Tagen selbst Futter aufnehmen.
Was das Futter betrifft, sind Meyerloris wenig anspruchsvoll und sind mit dem angebotenen Futter zufrieden. Ich kenne Züchter die gute Zuchterfolge mit dem kommerziell hergestellten Futter haben als auch mit Futter, daß nach eigener Rezeptur hergestellt wurde.  Meyerloris kann man auch gekeimte Samen anbieten, sie nehmen sogar Sonnenblumenkerne. Ferner kann man Grünzeug in Form von Vogelmiere und Früchte wie z.B. Äpfel anbieten. Badewasser muß jederzeit zur Verfügung stehen.
Wenn Sie noch Platz für ein Paar Loris haben, probieren Sie es mit Meyerloris. Sie werden ihre Wahl nicht bereuen, denn Sie haben eine gute Wahl getroffen.
Literatur
BESWERDA, F (1981); Lori's, Zuidgroep BV Uitgevers, Best
LOW, R (1998); Encyclopedia of the Lories, Hancock House Publishers
MIVART, G (1896); A monograph of the Lories, R.H. Porter, Londen

Naar start.