Der Mount-Apolori, Trichoglossus johnstoniae, einzigste Lorisorte von den Philipinen
Einleitung
Es sind nunmehr schon wieder acht Jahre vergangen, seitdem erstmals über den Mount-Apolori, auch Johnstonlori genannt, im Lorijournal berichtet wurde. Der Bericht stammte von Roger Sweeny welcher seinerzeit in einer der größten Papageienzuchtstationen der Welt wirk-te, die Rede ist von de Dios.
De Dios sorgte Anfang der 90er Jahre dafür, das der Mount Apolori auch außerhalb der Philipinen bekannt wurde. Innerhalb kurzer Zeit erzielte er beachtliche Zuchterfolge mit dieser Loriart und diese gelangten später u. a. nach Südafrika und Westeuropa. Auch hier erwiesen sich die Vögel als überaus fruchtbar und produzierten reichlich Nachwuchs, so das diese kleine Loriart zumindest in Gefangenschaft erhalten werden kann. Derzeit werden regelmäßig Apoloris angeboten.
Die Zuchtstation auf den Phillipinen hatte zeitweise gravierende Probleme, seine Nachzuchten abzugeben, so fruchtbar waren die Zuchtpaare. Dies lag aber zu einem Großteil an den hohen Transportkosten welche mit dem Export/import verbunden waren. Nach meinen Infor-mationen hat De Dios derzeit die Lorizucht komplett oder zumindest zum größten Teil einge-stellt. Ein Großteil der Mount-Apoloris ist offensichtlich nach Taiwan abgegeben worden. Ich habe in diesem Jahr von dort noch ein Angebot erhalten, aber die Kosten für ein Paar lagen deutlich höher als in den Niederlanden.
Mittlerweile ist auch eine olivgrüne Variante gezüchtet worden, oberstes Gebot sollte aller-dings die Erhaltung der natürlichen Form bleiben.
Beschreibung
Hier möchte ich auf der Umschlag verweisen. Vielfach lassen sich Weibchen anhand der we-niger ausgedehnten roten Maskenfärbung erkennen. Auf der Umschlagseite ist rechts das Weibchen abgebildet. Jungvögel haben in der Regel beim ausfliegen noch einen dunkelbrau-nen Schnabel, welcher nach einigen Wochen in orangerot umfärbt. Die Rotfärbung fällt größ-tenteils weniger intensiv aus, ist aber nicht die Regel, gleiches gilt für die Brustzeichnung. Im Alter von sechs Monaten sind die Jungvögel kaum noch von den Elterntieren zu unterschei-den.
Neben der Nominatform wird noch eine Unterart angegeben, Trichoglossus j. pistra. Da die Unterschiede kaum sichtbar sind, wird diese Unterart jedoch stark angezweifelt. Roger Swee-ney hat sowohl lebende Exemplare in großer Anzahl gesehen als auch Bälge begutachten können und keine markanten Unterschiede festgestellt.
Verbreitung und Status
Das Verbreitungsgebiet beschränkt sich auf den südlichen Teil von Mindanao, eine der süd-lichsten Inseln der Philipinen. Das Gebiet in welchem diese Lorisorte vorkommt, hat Natio-nalparkstatus. Hier befindet sich auch der Mount Apo, von dem der Lori seinen Namen hat. Bedenkt man das recht kleine Verbreitungsgebiet, kann die Population nicht besonders groß sein, De Dios ging in 1992 von ca. 600 Exemplaren aus. Das das betreffende Gebiet als Nati-onalpark ausgerufen ist, hat nicht besonders viel Wert. Große Flächen wurden bereits für den Bau einer neuen Stromversorgungszentrale geopfert. Weiterhin findet sowohl im Schutzgebiet als auch außerhalb Holzgewinnung statt, alles in allem keine guten Zukunftsaussichten für den Mount Apolori.
Status in Gefangenschaft
Bevor diese kleine Loriart Ende der achtziger, Anfang der neunziger Jahre auf den Phillipinen gehalten wurde, war die Art nahezu unbekannt. Selbst bei der örtlichen Bevölkerung waren sie lediglich vereinzelt anzutreffen. Da dieser Lori in der Haltung und Ernährung nicht we-sentlich von dem anderer Trichoglossus-arten abweicht, konnte in kurzer Zeit ein beachtlicher Bestand aufgebaut werden. Wie schon anfangs erwähnt, wurde hiervon u. a. ein Teil nach Westeuropa abgegeben. Vor allem in Deutschland gelangen rasch Nachzuchten und der Be-stand wuchs schnell. Ein Nachteil ist, das sämtliche Nachzuchten von einem relativ kleinen Ursprungspotential abstammt, so das die Blutlinien wahrscheinlich alle untereinander mehr oder weniger verwandt sind. Ich habe in den letzten Jahren diverse Vögel gesehen, welche mir recht klein erschienen und das Gefieder war auch in keinem besonders guten Zustand. Es ist leider eine zeitraubende und kostspielige Sache, aber ich denke eine gewisse Anzahl neuer Vögel aus Taiwan müssen eingeführt werden um die vorhandenen Blutlinien aufzufrischen.
Haltung
Nachdem eine stattliche Anzahl Nachzuchten vorhanden waren und angeboten wurden, be-schloss auch ich davon einige zu erwerben. Es handelte sich dabei um Vögel von zwei Züch-tern, die äußerlich einen guten Eindruck machten. Umso schmerzlicher war die Tatsache, dass die meisten dieser Vögel bereits kurze Zeit nach Ankunft in meinem Zuchtbestand eingingen. Ich konnte seinerzeit keinen eindeutigen Grund für diese Verluste feststellen. Nachdem ich einige Zeit später neuen Mut gefasst hatte, wagte ich nochmals eine Anschaffung von zwei Vögeln. Diesmal stellte ich sehr schnell bei einem der Vögel fest, das dieser unregelmäßig Nahrung zu sich nahm. Ich untersuchte beide Vögel und stellte eine Belastung des Kropfes mit Flagellaten fest. Im Nachhinein vertrete ich die These, das bereits die ersten Importe von den Phillipinen zumindest geringfügig mit Flagellaten belastet waren. Durch Stress, Verände-rung von Fütterung und Haltung etc., ist es vermutlich explosionsartig zu einer Vermehrung dieser Schädlinge gekommen. Letztendlich waren dadurch hohe Verluste zu beklagen. Nach-dem die Apoloris mit RONIDAZOL behandelt wurden, sind sowohl bei mir als auch bei be-freundeten Züchtern keine Verluste mehr eingetreten. An dem vorgeschilderten sieht man deutlich, was durch Stress alles passieren kann. Ähnliche Probleme können auch durch Infek-tionen mit Candida oder Bakterien wie beispielsweise E. Coli auftreten.
Durch die Anfangsschwierigkeiten dauerte es natürlich eine Zeit, bis ich erste Zuchterfolge verzeichnen konnte. 1997 war es dann aber doch endlich soweit. Ich hatte einige Paare in Drahtkäfigen und einige in kombinierten Außen- und Innenvolieren untergebracht. Das Balz-gehabe und der weitere Brutverlauf waren ähnlich wie beim Meyerlori, Trichoglossus flavoviridis meyeri, und daher habe ich keine Einzelheiten darüber festgehalten.
Im folgenden sind deshalb einige Angaben aus dem Artikel von Roger Sweeney zitiert.
Die Brutdauer beträgt ca. 23 bis 24 Tage, die Jungvögel verlassen im Alter von ungefähr 40 bis 48 Tagen den Nistkasten. Im Vergleich zu den Phillipinen dürfte die Nestlinszeit aufgrund der klimatischen Verhältnisse eher um die 48 Tage betragen. Nach dem Ausfliegen werden die Jungen zwar noch von den Eltern versorgt, können aber schon nach wenigen Tagen selbstständig Nahrung zu sich nehmen.
Roger hat auch einige Daten festgehalten, die bei einer Handaufzucht gesammelt wurden:
Gewicht am Schlupftag: 3,6 Gramm, Haut rosafarben mit langen gräulichen Primärdunen. Krallen und Schnabel schwarz. Am dreizehnten Tag waren erstmals die Augen geöffnet, am sechzehnten Tag waren diese ständig offen. Nach zwanzig Tagen war der gesamte Körper mit den dickeren Sekundärdunen bedeckt. Nach 25 Tagen schoben sich die Flügelfedern durch und auch an Kopf und Schwanz sind erste Kiele zu erkennen. Mit 28 Tagen brechen erste Federn an Kopf und Brust durch. Nach 40 Tagen war der Jungvogel bis auf die Flanken voll-ständig befiedert. Die Schnabelumfärbung nach orange folgte kurze Zeit später, wobei die Umfärbung der Augenumrandung und im Nasenbereich noch einige Monate dauerte.
Bei mir waren es stets fürsorgliche Eltern.
Einmal hatte ich ein Paar, welches ständig unbefruchtete Gelege produzierte. Diesem Paar habe ich deshalb einmal ein Ei von den Schmuckloris, Trichoglossus ornatus, und ein Ei von den Mount Goliathloris, Charmosyna papou goliathina, untergelegt. Beide wurden ausgebrü-tet. Da die Jungvögel später etwas zu groß wurden und die Einstreu rasch durchnässte, habe ich sie auf zwei Nistkästen verteilt. Den einen setzte ich einfach in die linke Ecke des Käfigs auf den Drahtboden und den anderen in die rechte Ecke. Den Nistkastendeckel entfernte ich bei beiden, so das die Kästen von oben offen waren, die Kästen blieben länger trocken und die Jungen hatten mehr Platz. Die Pflegeeltern versorgten die Jungen vom Nistkastenrand. Diese Methode funktionierte anfangs perfekt, mit zunehmender Größe krochen die Jungen jedoch aus dem Kasten heraus und wanderten in den Nachbarkasten. Dies war nur für kurze Zeit, so das es keine Probleme gab, die Jungen saßen bereits wenige Tage später bei den Pflegeltern auf dem Sitzstock. Dies war ein seltsames Bild, die beiden Mount Apoloris flankiert von einem Mounth Goliath- und einem pastellfarbenen Schmucklori. Bei dem Schmucklori handelte es sich also auch noch um eine Mutation!
Nochmals zurückkommend auf die Nistkästen, es handelt sich dabei um die gleichen welche ich auch für Meyerloris verwende. Es sind Horizontalkästen, 25 cm lang, 17 cm hoch und 15 cm tief. Das Einschlupföffnung hat einen Durchmesser von 5 cm.
Im vergangenen Jahr hatte ich mit den Mount-Apoloris etwas weniger Glück, aber in diesem Jahr sieht es bis jetzt wieder hoffnungsvoller aus. Ein Paar bebrütet derzeit ein Gelege und bei einem anderen Paar vermute ich, das ebenfalls bald ein Gelege getätigt wird. Ein Problem gibt es noch bei der Geschlechterverteilung, stets sind Weibchen in der Minderzahl. So habe ich momental noch zwei einsame Männchen in meinem Bestand.
Ernährung und Fütterung sind vergleichbar mit denen anderer kleiner Trichoglossus-arten. Ein handelsübliches Lorifutter und gelegentlich ein paar Früchte sind völlig ausreichend. Sie haben gerne ab und an ein paar Sonnenblumenkerne, man sollte diese aber nicht zu häufig reichen. Was wir als Lorizüchter oftmals zurückstellen, ist die Grünfütterung. Loris benagen nicht nur gerne verschiedene Zweige, sondern nehmen auch sehr gerne Grünfutter auf, z. B. Vogelmiere. Manchmal ist ein bischen Geduld angesagt, aber in der Regel probieren die meisten Loris irgendwann das angebotene aus. Als ich noch meine alten Volieren hatte, war der Boden mit verschiedenen Grünpflanzen bewachsen. Bei den Jungtieren konnte man in den ersten Tagen immer einen grünlichen Schimmer in der Kropfgegend erkennen, was auf die Aufnahme von Grünfutter hindeutete.
Literatur
SWEENEY, R (1994): Der Mount-Apolori (Trichoglossus johnstoniae), Lori-Journal-International 1994 / 2, 32-35.