Der Smaragdgualori, Neopsittacus pullicauda, eine Bestandsaufnahme


Einleitung
Ich persönlich halte ihn für eine der geeignetsten Loriarten in Menschenobhut. Vogelliebhaber, die diese Loriart zum ersten Mal sahen, verwechseln ihn mit dem Gualori, Neopsittacus muschenbroekii.

In der Vergangenheit wurde der Smaragdgualori regelmässig gezüchtet; er ist aber deswegen noch lange nicht als häufig in der Vogelhaltung zu bezeichnen. Sie werden nur hin und wieder angeboten: Ob es sich um eine Art handelt, die in der Vogelhaltung etabliert wird, diese Frage lässt sich so ohne weiteres nicht beantworten.

Folgende Punkte machen den Smaragdgualori zu einer idealen Loriart, vor allem Dingen für die Liebhaber, die sich auf kleine Loriarten spezialisiert haben, habe ich bereits in meinem alten Bericht aufgezählt. Sie gelten auch heute noch unverändert:

-    Neben der üblichen Lorisuppe fressen sie auch Sämereien, daher sind ihre Ausscheidungen weniger flüssig. Vor allen Dingen "spritzen" sie den Kot nicht weit von sich. Sie nehmen, im Vergleich zu anderen kleineren Loriarten, wie z.B. kleinere Charmosyna Arten (z.B. Schönlori) wenig Futter zu sich. Dadurch muss ihre Unterkunft weniger häufig gereinigt werden
-     Sie nagen, im Gegensatz zum Gualori, wenig
-    Angesichts ihrer geringen Größe können sie auch in geräumigen Kistenkäfig gehalten werden. Das bedeutet nicht, dass sie geräumige Volieren bevorzugen
-    Machen wenig lärm
-    Es sind unempfindliche Vögel, die auch bei weniger hohen Temperaturen gehalten werden können. Mit einer erwärmten Innenvoliere und einer sich daran anschließenden Außenvoliere ist es kein Problem, wenn die Vögel im Winter die Außenvoliere aufsuchen. Bei geringen Frostgraden suchen die Loris regelmäßig die Außenvoliere auf. Smaragdgualoris, die so gehalten werden, sind in guter Kondition.
-    Jungvögel bleiben auch nach dem Ausfliegen zutraulich zu ihrem Pfleger und fliegen auf die Hand, um daraus zu fressen.

Beschreibung und Taxonomie
Das Foto auf der Umschlagseite zeigt den Smaragdgualori. Wie schon vorher angemerkt, ähnelt er stark der anderen Art aus der Familie Neopsittacus, dem Gualori. Der Größenunterschied zwischen beiden Arten fällt besonders auf und zeigt den deutlichsten Unterschied. Der Gualori ist mit 22 - 23 cm Größe deutlich größer als der Smaragdgualori, der 18 cm groß ist.
Der Smaragdgualori wiegt ca. 35 Gramm. Farbunterschiede kann man vor allen Dingen an der Brust und am Bauch feststellen. Die Rotfärbung beim Gualori ist auf der Brust häufiger unterbrochen. Bei Smaragdgualori sind Brust und Bauch fast ganz orangerot. Die Schnabelfärbung beim Gualori ist gelb, während der Smaragdgualori eine orange Schnabelfärbung besitzt.

Jungvögel ähneln, wie dies bei fast allen Loriarten der Fall ist, den Altvögeln. Die Schnabelfärbung ist dunkelbraun. Das Brust- und Bauchgefieder ist von grünen Federn durchsetzt. Die orangerote Farbe ist nicht so intensiv.
Es werden drei Unterarten unterschieden. Für die Haltung in Menschenobhut ist nur eine Unterart relevant.

Folgende Unterarten sind bekannt:
- Nominatform Neopsittacus  p. pullicauda  Das Foto auf der Umschlagseite zeigt diese Unterart. Brust und Bauch sind gänzlich orangerot. Die Nominatform kommt in den Bergen des südöstlichen Neuguinea, westwärts bis zum Sepikgebiet vor

- Neopsittacus p.alpinus  Die meisten Vögel dieser Unterart haben eine verhältnismäßig heller gefärbte Brustzeichnung. Das Bauchgefieder ist dunkler. Fotos geben nicht immer deutlich die Unterschiede wider, weil unterschiedliche Belichtungszeiten hier eine Rolle spielen. Diese Unterart kommt in den Snow Mountains im Irian Yaja und weiter ostwärts bis zum Fly River vor.

- Neosittacus p.socialis  Bei dieser Unterart sind Kopf und Rücken dunkler und es ist möglich, daß die Strichzeichnung der Wangen mehr orangerot gefärbt ist. Diese Unterart findet man im Herzoggebirge und in den Gebirgsgebieten der Huon-Halbinsel im östlichen Neuguinea.
In Menschenobhut wird insbesondere die Unterart N. p.alpinus gehalten, weil nur diese Unterart aus Neuguinea eingeführt worden ist.

Verbreitung und Biotop
Smaragdgualoris kommen nur auf Neuguinea vor. Hier findet man sie in den Randgebieten der höheren Bergwälder, die wie ein Rückgrat über Neuguiena liegen. Beobachtet wurden sie in Höhe zwischen 2.300 m und 3.700 m. Sie wurden aber auch in niedrigeren Höhenlagen, in Familienverbänden mit dem Gualori gemeinsam, beobachtet. Normalerweise kommt der Smaragdgualori in den höheren Bergregionen vor; der Gualori bevorzugt niedrigere Höhenlagen.

Über das Freileben dieser Art ist wenig bekannt. Man hat sie paarweise manchmal auch in Verbänden bis zu 30 Vögeln auf Futterbäumen beobachtet.

Sie leben von Pollen, Nektar, Blumen, Früchten, Insekten und Sämereien. Ihr Vorliebe für Sämereien ist weit weniger ausgeprägt als beim Gualori. Sie kommen auch in Gebieten vor, die von Menschen bewohnt sind und passen sich den Lebensbedingungen an. Im größten Teil ihres Verbreiterungsgebietes sind sie häufig und sind auch recht zutraulich.
Man hat ein Gelege mit 2 Eiern in der Höhle eines Baumes gefunden. Sonst ist wenig über diese Art bekannt.

Haltungserfahrungen
Vor ungefähr zwölf Jahren konnte ich meine ersten Smaragdgualoris erwerben.  Seitdem habe ich sie mit wechselndem Erfolg gezüchtet. Die erste Nachzucht gelang mir nach vierjähriger Haltung.
Das erste Paar brachte ich in einem Käfig mit den Abmessungen 1,50 cm x 0,50 cm (L., T., H.) unter. Eine geräumigere Unterbringung ist jedoch von Vorteil. Diese kleinen Loris benötigen Raum zum Fliegen. Inzwischen habe ich mich entschlossen für eine Anzahl von kleineren Loriarten und Fledermauspapageien größere Unterbringungsmöglichkeiten zu schaffen, indem ich die vorhandenen Zwischenwände aus Draht entferne und so die kleinen Loriarten über einen Flugraum von insgesamt 2,80 m verfügen.

Durch ein Unglück verlor ich das 1,0 meines ersten Paares. Das Paar war häufig im Nistkasten, tätigten aber kein Gelege.
1994 erhielt ich für mein einzelnes 0,1 einen neuen Partner. Mit diesem Paar gelang mir dann auch die Nachzucht. Meine Erfahrung (und auch die anderer Lorihalter) ist, dass es äußerst produktive Paare gibt, aber auch Paare, bei denen sich nichts tut. Nach Möglichkeit sollte man einen Partnertausch vornehmen. Diese Erfahrung habe ich bereits einige Male machen müssen.

Zurück zur Zucht
Ich gebrauche horizontale Nistkästen mit den Abmessungen 35 cm Länge sowie 15 cm Höhe und Tiefe. Der Nistkasteneingang hat einen Durchmesser von 5 cm. Als Nistkasteneinstreu nehme ich seit Jahren Hobelspäne, die von den Vögeln zernagt werden. Beim ersten Gelege, im November 1994, wurde ein Jungvogel selbständig. Er wurde vorbildlich gefüttert und nicht gerupft. Auch das zweite und das dritte Gelege brachte einen Jungvogel. Der zweite Jungvogel des zweiten und dritten Geleges wurden kurz vor bzw. kurz nach dem Ausfliegen getötet. Die Jungvögel wurden von den Eltern gerupft.
Nach diesen Erfahrungen habe ich bei den beiden nachfolgenden Brüten das 1,0 kurz vor dem Ausfliegen der Jungvögel vom 0,1 entfernt; das 0,1 hat beide Jungvögel vorbildlich groß gezogen. Später habe ich das 1,0 beim 0,1 belassen, wobei die Jungvögel ohne Probleme selbständig wurden. Ich habe dann auch keine Jungvögel unter diesen Umständen verloren.

Mitteilungswürdig ist auch der Umstand, daß durch Hantieren im Nistkasten die Smaragdgualoris nicht weiter brüteten. Ich habe das Gelege dann einem Paar Vielstrichelloris, Charmosyna multistriata, untergeschoben. Diese nicht Sämereien fressende Loriart hat einen Smaragdgualori vorbildlich groß gezogen.

Die jungen Smaragdgualoris schlüpften nach 24 Tagen Brutdauer. Das Gewicht der Jungvögel am Schlupftag zwischen 3,5 Gramm und 3,7 Gramm. Nach 45 bis 50 Tagen verlassen sie den Nistkasten.
Wenn die Jungvögel Daunen tragen, gleichen sie jungen Gualoris. Auch hier sieht man deutlich einen gelben Fleck auf dem Hinterkopf. Nach rd. 30 Tagen verschwindet der gelbe Fleck und die normale Kopfbefiederung setzt sich durch.
Die Jungvögel werden mit 4,0 mm Ringen im Alter zwischen 10 und 13 Tagen beringt.
Die Fütterung ist nicht besonders schwierig, weil Smaragdgualoris nicht besonders wählerisch sind. Sie fressen Sämereien neben dem üblichen Lorifutter für andere Loris. Früchte und Gemüse kann man ebenfalls geben. Sie gehen eigentlich an alle gereichte Nahrung, was man nutzen sollte um möglichst abwechselungsreich zu füttern. Sie nehmen nicht besonders viel Nahrung zu sich (im Gegensatz zu anderen Loriarten derselben Größe, wie z.B. der Rotstirnlori, Charmosyna rubronotata.)

Schluss
Wie ich bereits erwähnt habe, halte ich den Smaragdgualori seit Jahren in meinem Loribestand. Mitte der neunziger Jahre habe ich mich bemüht, vermehrt Smaragdloris anderer Blutlinien zu bekommen und mit meinen Vögeln zu verpaaren.  Dies ist mir auch geglückt, obwohl ich heute, wegen der bereits genannten Einschränkungen weniger Paare Smaragdgualoris halte.

Wenig Glück hatte ich bei der Eigenbestimmung der Geschlechter. Zu einem Zeitpunkt hatte ich auf einmal 15 einzelne Männchen. Ich halte jedoch die Möglichkeit, aus der Schweiz eine Anzahl von Weibchen zu erwerben. Die überzähligen Männchen habe ich dann abgegeben.
Nachdem ich ein ausgeglichenes Geschlechterverhältnis hatte, habe ich fast ausschließlich Weibchen gezüchtet. In den letzten drei Jahren hatte ich einen Weibchenüberschuss. Derzeit gibt es ein ausgeglichenes Geschlechterverhältnis.
Es ist notwendig, daß bei einigen Züchtern Vögel getauscht werden müssen. Auch ich hatte zu Beginn meiner Haltung Paare, die wirklich auch Paare waren, jedoch keine Anstalten zur Brut trafen; bis zu dem Zeitpunkt, wo ich ein anderes Männchen hinzugesellte. Zur Zeit gibt es sicher eine Anzahl Paare, die nicht züchten. Sie sitzen seit Jahren bei verschiedenen Haltern. Diese Züchter sollten versuchen, ihre Vögel zu tauschen.
Von Jos Hubers, Niederlande.
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