Flagellaten Infektionen bei Loris (Loriinae) und Fledermauspapageichen (Loriculus spp.).
Von Jos Hubers, Die Niederlande.
Wenn wir über Krankheiten bei unseren Vögeln reden, dann handelt es sich meistens um Schimmelpilz, Candida albicans, oder Bakterien E. coli oder Salmonella.
Eine weniger bekannte aber häufig vorkommende Krankheit wird verursacht durch Protozoen (einzellige Tierchen), nämlich die Flagellat Trichomonas. Flagellaten haben an ihrem Körper Peitschenfäden (Flagellen) womit sie sich bewegen. Bei Tauben kommt diese Sorte sehr häufig vor und wird "DAS GELB" genannt, wegen der auftretenden gelbfärbung in der Kehle. Lonchura arten sind bekannte Träger, die wie der Name schon sagt, die protozoen bei sich tragen aber selbst nicht krank werden. Bei Papageien und Sittichen kommen sie manchmal im Darm vor. Nicht bei allen Vogelsorten geht es um die gleiche Art von Flagellaten. Bei den Prachtfinken sind es meistens Cochlosoma und Trichomonas die gefunden werden, bei Sittichen Giardia. Das Krankheitsbild ist abhängig von der Flagellaten-Art.
Ich werde es jetzt beschränken auf unsere Loris. Das Krankheitsbild kann in erster Instanz Verwirrung mit den auftretenden Symptomen geben, die auftreten bei Kropfentzündung. Das letzte entsteht durch Candida bzw. Bakterielle Infektion. Bis jetzt habe ich verschiedene Merkmale festgestellt.
1. Erbrechen oder Brechreiz
Die Bewegung die der Vogel macht ist zu vergleichen mit Hochwürgen von Nahrung für Jungvögel oder den Partner. Manchmal sind einige Tropfen Brei am ende des Schnabels zu sehen, der anschließend wieder heruntergeschluckt wird. In der Anfangsphase magern die Vögel noch nicht ab und brauchen auch noch nicht ernsthaft krank zu sein.
2. Kropfverstopfung
Es kann vorkommen, daß es zu einer Futteransammlung im Kropf kommt. Der Vogel nimmt kaum bzw. gar keine Nahrung mehr zu sich, da häufig der Transportweg zum Magen verstopft oder eingeengt ist. In der Regel sind Flagellaten die Ursache.
Selber habe ich folgende Behandlungsmethode praktiziert: Ich habe den Kropf massiert, den Vogel auf den Kopf gehalten und versucht die Nahrung aus dem Kropf zu massieren. Es gelang mir nicht. Nachdem der Vogel bereits 2 Tage so gesessen hatte, habe ich dann mit einer Kropfnadel 2ml physiologisch Salz (9 gram Salz/1 Liter Wasser) hineingespritzt, danach den Kropf wieder massiert, den Vogel auf den Kopf gehalten und als Resultat kam ein wenig Brei heraus. Von diesem Kropfinhalt habe ich einen Tropfen unters Mikroskop gegeben. Ich erwartete Candida, es wimmelte stattdessen von Flagellaten. Nur einige Candidas waren zu finden. Nachdem ich mit einer Kropfnadel 1ml Brei vermischt mit einem Heilmittel gegeben hatte, war der Kropf innerhalb eines Tages wieder normal.
Daraus kann man schließen, das auch Flagellaten zu Kropfverstopfung führen können.
3. Besonderheiten
Ein Befall mit Flagellaten ist manchmal schwierig zu erkennen, da Vögel zwar aufgeplustert dasitzen, jedoch nicht die typischen Erkrankungsmerkmale wie zuvor beschrieben zeigen. Nur genaue Untersuchungen können hier zu einem Ergebnis führen.
Ich habe einige Kropfabstriche bei Tieren vorgenommen, wo ich Flagellaten vermutete, ohne etwas zu finden. Nach einer Behandlung mit Ronidazol gingen die Beschwerden zurück und der Vogel gesundete zunehmends. Auf einen Kropfabstrich kann somit eigentlich verzichtet werden, da die Flagellaten sich scheinbar an den Kropfwandungen an unerreichbaren Stellen einnisten.
Diagnose
Mit einer Probe aus dem Kropf können wir mit einem Vergröszung von 100 bis 400x die Flagellaten sehen. Flagellaten sterben schnell, am besten ist es innerhalb einer Stunde die Probe zu untersuchen.
Behandlung
Für die Behandlung von Flagellaten sind als wirksamste Stoffe Ronidazol und Metronidazol näher bekannt. Manchmal werden weitere Bezeichnungen für diese Wirkstoffe verwendet, z. B. Ronitrol für Ronidazol und Emtryl für Metronidazol.
Metronidazol muß sehr genau dosiert werden. Bei zu niedriger Dosis hilft es nicht, zu hohe können zu Vergiftungserscheinungen, sogar mit Todesfolge führen. Darum ist Ronidazol (2,5%) zu empfehlen. In der Vergangenheit war dieses Mittel auch 10%ig zu bekommen. Normalerweise wird dieses Mittel im Wasser aufgelöst, bei den Loris kann es unter den Brei gerührt werden. Zur leichteren Dosierung ist meistens ein Dosierlöffel beigefügt. Eine gestrichener Dosierlöffel ist für 4 Liter bestimmt. Eine leichte Überdosierung bewirkt keine negativen Folgen. Die Kur sollte 10 Tage dauern und bei infizierten Vögeln zweimal jährlich wiederholt werden. Bei der gefalteten Kropfwand können Flagellaten hängen bleiben und zu einem späteren Zeitpunkt erneut zu einer Erkrankung führen. Beim Ankauf von neuen Vögeln ist vorsichtshalber eine Kur durchzuführen, falls keine genaue Untersuchung durchgeführt wird.
Ronidazol wird als Kapseln und Pulvern (100g) verkauft. In Pulverform ist es billiger und die Haltbarkeit liegt bei 3-4 Jahren.
Schlußbetrachtung
Diese Krankheit ist weiter verbreitet als die meisten von uns glauben. Vor einigen Jahren ist eine Sendung Irisloris, Trichoglossus iris, fast komplett an Flagellaten gestorben. Bei einem anderen Liebhaber waren bereits mehrere Loris und Fledermauspapageien eingegangen, bevor die Ursache festgestellt wurde. Nach einer kur hat der Rest des Bestandes überlebt. So gibt es noch einige Beispiele zu nennen.
Die meisten Vögel sterben aufgrund einer falschen Behandlung, meistens vermutet man Pilzbefall. Ich mache (zusammen mit viele verschiedene Liebhaber) grundsätzlich zweimal im Jahr eine Kur.
Sollten andere Züchter ähnliche bzw. neue Erkenntnisse besitzen bitte ich dies an das Lori-Journal weiterzuleiten.